Beim Glasfaserausbau, also der Versorgung mit schnellem Internet, gibt es noch einiges zu tun. Unmut über Defizite ist darum durchaus berechtigt. Nur ist der Landkreis für vieles, was beklagt wird, gar nicht verantwortlich. „Dass die Landrätin, stellv. für die Arbeit aller Beteiligten, den Preis ,Ausgezeichnete Digitalpolitikerin‘ verliehen bekam, ist durchaus verdient“, so Detert Brummer-Bange (UWG), „und das vor allem, weil der Landkreis die Kommunen entlastet hat und weil er die Aufgaben, für die er zuständig war und ist, erfolgreich angepackt und bereits weitestgehend realisiert hat“.

Grund Nr. 1: Die Entlastung der Kommunen.
Landkreisweit viele „Weiße Flecken“, also Gebiete mit besonders schlechter Internetgeschwindigkeit, und auch viele „Graue Flecken“, also Gebiete ohne eine gigabitfähige Infrastruktur: Der Breitbandausbau hat auch den Kreistag immer wieder beschäftigt und jedem Kreistagsmitglied vor Augen geführt, wie groß die zu stemmende Aufgabe ist, organisatorisch wie finanziell.

Der bislang erfolgte Ausbau hat immer wieder aufs Neue gezeigt, wie außerordentlich wichtig die Entscheidung war, dass der Landkreis seine 34 Städte, Gemeinden und Samtgemeinden vom Breitbandausbau entlastet hat. Das heißt: Der Landkreis wurde z.B. zuständig für die Koordination der Gesamtstrategie und für die Planung und den Bau mit eigenen Mitteln und mit Fördermitteln (Bundes- und Landesmittel). Zur Realisierung des millionenteuren Breitbandausbaus musste der Landkreis auch viel eigenes Geld beisteuern. Dass Landkreisgelder eingesetzt wurden und werden, bedeutet für die einzelnen Kommunen eine beträchtliche finanzielle Entlastung. Mit dem landkreisweites Ausbauprojekt „schnelles Internet“ hat der Landkreis zudem eine enorme organisatorische Aufgabe übernommen– und sie bislang erfolgreich gemeistert. Das zeigen Zahlen.
Grund Nr. 2: Mit 80 % eine höhere Ausbau-Quote als niedersachsen- und bundesweit.
Wie gut ging es voran mit dem Breitbandausbaus? Im Landkreis liegt die Glasfaserquote bereits heute bei rund 80 % und damit deutlich über der Niedersachsenquote von 67 %. Im Bundesdurchschnitt lag die Glasfaser-Ausbauquote bei 52,8 %.

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Die gute bisherige Versorgungsquote im Landkreis ist auch vor dem Hintergrund besonderer Schwierigkeiten zu bewerten. Nach einer Analyse des Bundes hat Niedersachsen insgesamt eher ungünstige Voraussetzungen für den Ausbau, u. a. durch die relativ geringe Bevölkerungsdichte und die Siedlungsstruktur. Und was für Niedersachsen gilt, gilt auch für den Landkreis. Darum steht die Tatsache, dass die Versorgungsquote im Landkreis bei 80 % liegt, für eine gute und durchaus preiswürdige Arbeit des Landkreises beim Glasfaser-Ausbau.
Auf dem Weg zu fast 90 %. Der Landkreis ist die falsche Adresse für Unmut.
Reibungslose Unternehmensprozesse, mobiles Arbeiten, Telemedizin usw: Für den ländlichen Raum ist eine gute digitale Infrastruktur ein geradezu überlebensentscheidender Faktor, weil davon abhängt, dass Menschen hier wohnen bleiben, dass Betriebe arbeiten können und sich neue hier ansiedeln. Ende 2026 wird die Glasfaserquote im Landkreis bei knapp 90 Prozent liegen. Dass die Glasfaser-Lage dennoch in vielen Fällen beklagenswert ist, liegt nicht am Landkreis. Er kann und konnte nur tun, wofür er zuständig ist, und die Gesamtlage ist das Ergebnis falscher Weichenstellungen auf Bundesebene.

Keinen Einfluss hat der Landkreis darauf, wann Glasfaser genutzt werden kann.
Wofür ist der Landkreis zuständig? Für Frust sorgt z. B., dass Bürgerinnen und Bürger sehen, dass in ihrem Ort bzw. Ortsteil Glasfaserkabel verlegt wurden, aber dann lange nichts passiert. Auf dem eigenen Grundstück bzw. im Haus oder der Wohnung kommt nichts an. Für diese letzten Schritte sind jedoch die Netzbetreiber zuständig und nicht der Landkreis. Der Landkreis baut nur die Infrastruktur auf, während der Netzbetreiber die Angebote für die Kunden bereitstellt. Und diese Bereitstellung dauert in vielen Fällen recht lange. Ein Grund dafür ist auch der Mangel an Arbeitskräften. Grundsätzlich krankt der Glasfaser-Ausbau aber an falschen Weichenstellungen auf Bundesebene.

Glasfaserausbau: Falsche Weichenstellungen auf Bundesebene.
Es war und ist selbstverständlich, dass jedes Haus und jede Wohnung mit einem Telefonanschluss ausgestattet ist. Warum ist das beim Glasfaseranschluss nicht so, schließlich gehört ein schneller Internetanschluss längst zur Daseinsvorsorge? „Die Weichen wurden auf Bundesebene falsch gestellt“, kritisiert Detert Brummer-Bange. „Man hätte die Telekommunikationsunternehmen, die Funknetze ersteigert haben, zur Versorgung aller mit einem Glasfaseranschluss verpflichten müssen. Das geschah jedoch nicht. Und so haben wir jetzt die Situation, dass der private Telekommunikationsmarkt aus wirtschaftlichen Gründen vorwiegend in dichter besiedelten Gebieten Glasfasernetze ausbaut. Der ländliche Raum wäre darüber völlig auf der Strecke geblieben – wenn dort nicht der Landkreis den Ausbau übernommen hätte.“

