AfD’ler fordern „millionenfache Remigration“, in Osnabrück wird am 27. Januar, dem internationalen Holocaust-Gedenktag, nach der zentralen Gedenkstunde auf dem Marktplatz die Ausstellung „Auftakt des Terrors – frühe Konzentrationslager im Nationalsozialismus“ im Erich Maria Remarque-Friedenszentrum eröffnet (siehe 1). Diese Ausstellung zeigt, wie blitzschnell und brutal der Übergang von einer Demokratie zu einer Diktatur verlaufen kann. Werben möchte wir als UWG-Kreistagsfraktion anlässlich dieses Gedenktags und der aktuellen Umfrage-Ergebnisse zu Wahlen auch für einen Besuch des Felix-Nussbaum-Hauses in Osnabrück, das ganzjährig ein Ort der intensiven Mahnung und Warnung ist.

Und heute wieder massive Ausgrenzung von Menschen, Hass und Rassismus.
Der Holocaust: Jedes einzelne Opfer dieses Menschheitsverbrechens, Männer, Frauen, Kinder, ist durch die Hölle gegangen. 5,6 bis 6 Millionen europäische Juden und damit rund zwei Drittel aller damals lebenden europäischen Juden fielen dem Holocaust zum Opfer. Allein im Vernichtungslager Auschwitz ermordeten die Nationalsozialisten zwischen 1940 und 1945 mehr als eine Million Menschen. Das Nazi-Regime überlebten aber auch viele Sinti und Roma nicht, Homosexuelle, Menschen mit Behinderungen, Kriegsgefangene, politische Gegner.
Eingeladen sind zur Holocaust-Gedenkveranstaltung alle Bürgerinnen und Bürger.
Das gesamte Programm sowie die Orte des Gedenkens finden Sie unter: https://www.lvosl.de/veranstaltungen/gedenktag-fuer-die-opfer-des-nationalsozialismus-27-januar-2026
Wehret den Anfängen. AfD’ler laden erneut zu einem rechtsextremistischen Vortag über „Remigration in Theorie und Praxis“ ein.
Wehret den Anfängen!“ schrieb die Bildhauerin, Grafikerin und Malerin Käthe Kollwitz einst auf eines ihrer Plakate. Sie wurde 1933, wie Thomas Mann, von den Nazis aus der Preußischen Akademie für Künste ausgeschlossen, weil sie zum Widerstand gegen die Nationalsozialisten aufrief. Dass die Ausgrenzung von Menschen, Hass, Rassismus nicht der Vergangenheit angehören, zeigt sich in Deutschland in jüngster Zeit so deutlich wie schon lange nicht mehr.

Für den 22. Januar und damit 5 Tage vor dem diesjährigen Holocaust-Gedenktag kündigten zwei
brandenburgische AfD-Politiker eine Veranstaltung an mit einem Vortrag des rechtsextremen österreichischen Aktivisten Martin Sellner. Der Titel des Sellner-Vortrags: „Remigration in Theorie und Praxis“. Sellner ist das Gesicht der radikalen „Identitären“, die schon lange mit AfD-Kreisen vernetzt sind, was jedoch kaum öffentlich wahrgenommen wird. Die Ziele, für die Sellner-Kreise stehen: Man will das „deutsche Volk“ retten, das angeblich von emanzipierten Frauen bedroht wird oder von „Globalisten“, von „Ausländern“ und von Staatsbürgern „mit ausländischen Wurzeln“.

Nach dieser völkisch-rassistischen Ideologie ist das „deutsche Volk“ Opfer eines „Bevölkerungsaustausches“ und soll ersetzt werden durch Nichtweiße, durch muslimische und andere „nicht-biodeutschen“ Menschen. Eine vielfältige Gesellschaft, wie wir sie haben, wird rigoros abgelehnt. Gerettet werden soll „das deutsche Volk“ durch millionenfache Remigration. Das sind keine AfD-Einzelmeinungen, das ist Programm.
Grundgesetz Art 116: Deutscher ist, wer die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt.
Wer also einen deutschen Pass besitzt, ist – unabhängig von seiner ethnischen Herkunft, seiner Hautfarbe, seiner Religion – Teil des deutschen Volkes. Das heißt: Auch alle Menschen mit Migrationshintergrund, die die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, sind vollwertige Deutsche. Alles andere ist verfassungsfeindlich.
In Sachsen-Anhalt hofft der so smart daherkommende AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund sogar, bei der Landtagswahl im September die absolute Mehrheit zu erringen. Auch dieser Mann glaubt, wie er sagt, „an die planmäßige Ersetzung der deutschen Bevölkerung durch Migranten“, also an die rechtsextreme Verschwörungserzählung. Und er will, wie er sagt, „den staatlichen Kontrolldruck auf Menschen mit Migrationshintergrund massiv erhöhen“ (siehe 2). Wer sich mit der Geschichte der Anfänge der Nazi-Diktatur befasst hat, dem kommt das alles nur zu bekannt vor.

„Gut 7 Monate vor den Wahlen im Landkreis sind für uns als UWG der diesjährige Holocaust-Gedenktag und die Ausstellung von ganz besonderer Aktualität“.
Detert Brummer-Bange: „Zu den Lehren aus der Nazi-Zeit und ihrer Vorgeschichte gehört insbesondere: Die schweigende Mehrheit darf nicht schweigen bei Ausgrenzung, Intoleranz und Hass. Stellen wir in großer Zahl Stopp-Schilder auf gegen alle Versuche, unsere Demokratie und unsere demokratischen Werte zu untergraben.
Hass und Hetze, Feindbilder, Polarisierung und Spaltung führen einzig und allein zu mehr Aggressions- und Gewaltbereitschaft. Probleme zu lösen und Herausforderungen zu bewältigen gelingt nur mit der Bereitschaft, den Zusammenhalt in unserer vielfältigen Gesellschaft zu stärken und ihn zu nutzen für die Gestaltung unser aller Zukunft.“

In Stadt und Landkreis Osnabrück finden am 13. September 2026 die Bürgermeister-, Oberbürgermeister- und Landratswahlen statt. Gewählt werden dann auch Stadt-, Gemeinde- und Samtgemeinderäte, Stadtbezirksräte und Ortsräte sowie der Kreistag.

Im Nov. 2025 schlugen Kandidaten bei der Wahl des Vorstandes der neuen AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“ stramm rechte Töne an. So gab es z.B. tosenden Beifall für die Aussage der Kandidatin Julia Gehrkens, die in denVorstand gewählt wurde: „Nur millionenfache Remigration schützt unsere Frauen und Kinder!“ Ebenfalls im Vorstand, als stellv. Vorsitzender: Adrian Maxhuni aus dem Kreisverband Osnabrück-Land. Er war zuvor Vorsitzender der Jungen Alternative Niedersachsen, eingestuft vom Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextremistisch“. Für die AfD trommelte Adrian Maxhuni aus Gehrde bereits seit dem 5. Januar dafür, die AfD bei den Kommunalwahlen im September zur stärksten Kraft zu machen.

Rassismus und Ausländerfeindlichkeit schaden unserer Wirtschaft und damit uns allen massiv.
Dazu nur ein paar Zahlen: Von den gut 400.000 berufstätigen Ärztinnen und Ärzten haben rund 130.000 einen Migrationshintergrund, das ist über ein Viertel der gesamten Ärzteschaft (27,3%). 60 % der Menschen in Reinigungsberufen hat einen Migrationshintergrund. Fakt ist: Auch die Altenpflege, die Logistikbranche, die Gastronomie, das Handwerk kommen nicht ohne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus vieler Herren Länder aus. Und der Bedarf steigt weiter.
„Rechts wurde von ganz rechts gefressen, ganz rechts von noch rechter und noch rechter von rechts außen. Und am rechtesten ist Höcke. Er blieb“.
Diesen Satz schreibt Robin Alexander, damals stellv. Chefredakteur der WELT, zur Geschichte der AfD. Und zwar in seinem Vorwort zum jüngst erschienenen Buch des WELT-Journalisten Frederik Schindler mit dem Titel „Höcke – Ein Rechtsextremist auf dem Weg zur Macht. Die AfD und ihr gefährlichster Vordenker“ (siehe 5).
Als Mahnung und Warnung sind der diesjährige Holocaust-Gedenktag, die Sonderausstellung und das Felix-Nussbaum-Haus von besonderer Bedeutung.
Wer sehen will, kann sehen, wie es um den wahren Charakter der AfD bestellt ist: Menschenverachtend völkisch-rassistisch, Beschwörungen von Widerstands- und Kampfgeist gegenüber Menschen mit einer Einwanderungsgeschichte von der Art, damit wir „werden, was wir immer waren, treu und deutsch und eine Gemeinschaft, die die Zukunft erkämpfen wird. Sichtbar werden soll das allerdings nicht.

Nachdem bekannt wurde, dass Brandenburger AfD-Politiker Sellner zu einem Vortrag „Remigration in Theorie und Praxis“ eingeladen hatten, intervenierte die AfD-Bundesspitze. Sie drängte darauf, die Veranstaltung abzusagen. „Warum haben die Parteichefs Weidel und Chrupalla das getan?“, fragte auch die FAZ (siehe 6). Die Antwort: „In erster Linie wohl, weil über der AfD das Damoklesschwert Parteiverbot hängt“. Verfassungsfeindlichkeit soll nicht sichtbar und hörbar werden, und das nicht zuletzt auch, weil die AfD – um mehr Wähler für sich zu gewinnen – alles daransetzt, nach außen konservativ-bürgerlich zu erscheinen. „Als Mahnung und Warnung“, so Detert Brummer-Bange, „sind der diesjährige Holocaust-Gedenktag, die Sonderausstellung im Erich Maria Remarque-Friedenszentrum und das Felix-Nussbaum-Haus von besonderer Bedeutung“.
Das Felix-Nussbaum-Haus: Ein Museums-Ort, der unter die Haut geht – angesichts der Wahlumfragen mehr denn je.
Der Maler Felix Nussbaum wurde 1904 in Osnabrück geboren und 1944 in Auschwitz ermordet. Wie kein anderer Künstler der ersten Jahrhunderthälfte hat Nussbaum „alle Erfahrungen der Jahrzehnte nach dem Ersten Weltkrieg in seinen Bildern festgehalten und als Teil seiner eigenen Situationen reflektiert, in die der Künstler als Jude durch die rassistische Ideologie des nationalsozialistischen Deutschland hineingestoßen wurde“ (siehe 7).

„Wenn ich untergehe – lasst meine Bilder nicht sterben“, wünschte sich Nussbaum. Dieser Wunsch ging in Erfüllung. Zu sehen sind sie im Felix-Nussbaum-Haus, und das in einem einzigartigen Rahmen – in einem Gebäude, das vom amerikanischen Architekten Daniel Libeskind entworfenen wurde. Man muss es erlebt haben: Die Werke des Malers, das Wissen um sein Schicksals, die einzigartige Libeskind-Architektur: Als das summiert sich zu einem Museums-Besuch, der unter die Haut geht.
Mit der bis zum 29. März geöffneten Sonderausstellung wird eine Wissenslücke geschlossen.
Kaum jemand weiß etwas über die frühen Konzentrationslager, die gleich in den ersten Monaten der NS-Diktatur eingerichtet wurden. Umso wichtiger ist die Sonderausstellung im Erich Maria Remarque-Friedenszentrum. Im Begleittext zu dieser Ausstellung ist zu den frühen Lagern zu lesen: „Das nationalsozialistische Regime erprobte dort Instrumentarien der Gewalt. Der Weg in den millionenfachen Massenmord war damit noch nicht vorgezeichnet, aber geebnet. Die frühen Konzentrationslager markierten den Auftakt des Terrors“.

Brachiale Migranten-Razzien wie in den Trump-USA? Wir haben die Wahl!
Sachsen-Anhalts AfD-Spitzenkandidat Siegmund will nach eigener Aussage „den staatlichen Kontrolldruck auf Menschen mit Migrationshintergrund massiv erhöhen“. Mit ihren Inhaftierungen und Verbringungen in Lager sorgten die Nazis schon 1933 für Angst und Schrecken durch massiven staatlichen Kontrolldruck und die Verhaftungswellen. Wie so etwas aussieht, zeigt sich derzeit in den USA, wo ICE in großem Stil migrantisch aussehende Menschen hetzt und in menschenunwürdige Abschiebelager verbringt. Führende AfD-Politiker kamen gerade erst (im Dezember) begeistert von einem USA-Besuch bei Trumps Republikanern zurück.
Im Landkreis Osnabrück wird im September gewählt. Stärken wir dann Kräfte, die die Aggressions- und Gewaltbereitschaft weiter anheizen? Oder stärken wir mit unserer Stimme unsere Demokratie und unsere demokratischen Werte und sagen damit Nein zu menschenverachtenden Einstellungen und Ideologien? Wir haben die Wahl. Hier im Landkreis und bei den zahlreichen anderen Wahlen in diesem Jahr.
Quellen:
2 Spiegel Nr. 2, 2.1.2026, Seite 27
4 https://demographie-netzwerk.de/mediathek/presse/ohne-zuwanderung-geht-der-wirtschaft-die-luft-aus/
5 https://www.herder.de/geschichte-politik/shop/p4/92060-hoecke-klappenbroschur/

