Schulsozialarbeit ist wichtiger denn je. Der Landkreis fordert das Land Niedersachsen auf, seiner Aufgabe für eine bedarfsgerechte Finanzierung der Schulsozialarbeit nachzukommen. Eine jüngst veröffentlichte Studie zeigt, wie wichtig Schulsozialarbeit nicht nur für die Zukunftschancen der Schülerinnen und Schüler ist. Eine weiter andauernde Unterversorgung hätte weit reichend Folgen. Mehr zu alledem in diesem Bericht der UWG-Kreistagsfraktion.

Zwei Anfragen unserer Gruppe SPD/UWG zeigten: Das Vorhandene reicht nicht aus.
Im letzten Jahr brachte zum Beispiel eine SPD/UWG-Initiative zu unseren Schulen ans Licht, dass auch im Landkreis Osnabrück die Zahl der Jugendlichen ohne Schulabschluss in den letzten Jahren in besorgniserregendem Ausmaß gestiegen ist.
Eine weitere SPD/UWG-Initiative führte zu einer Befragung kreiseigener Schulen zum Thema Gewaltbereitschaft bei Schülerinnen und Schülern. Vom Gymnasium Bersenbrück kam da z.B. die Rückmeldung, dass ca. 20-30 % der jungen Schülerinnen und Schüler auffällig sind beim Thema Gewalt. Einen ausführlichen Bericht dazu finden Sie unter: https://uwg-lkos.de/mehr-aggression-gewalt-an-schulen/

Allein schon diese beiden Initiativen der Gruppe SPD/UWG zeigten: Was bislang an Hilfen für unsere Schulen vorhanden ist, z.B. durch Schulsozialarbeit, reicht bei Weitem nicht aus, um den Herausforderungen, vor denen Schulen stehen, gerecht zu werden.
Keine ausreichende Finanzierung durch das Land Niedersachsen – dabei entlastet Schulsozialarbeit langfristig die öffentlichen Haushalte.
Obwohl die Schulsozialarbeit wichtiger ist denn je, bleibt das Angebot an Schulsozialarbeit weit hinter dem zurück, was notwendig wäre. Schulsozialarbeit ist Aufgabe des Landes Niedersachsen, aber es fehlt weiterhin an einer ausreichenden Finanzierung.

Um Defizite zu minimieren, gibt es die Landkreis-Programme „Sozialpädagogen an Schulen“ und „Zuschusssystem Sozialpädagogen an Schulen“. Die sollen nach ihrem Auslaufen Ende Juli 2027 bis Ende Juli 2028 fortgeführt werden. Damit engagiert sich der Landkreis weiterhin für die Versorgung der Grundschulen mit Schulsozialarbeit.

Dass das Land Niedersachsen seiner Aufgabe nachkommt, ausreichend zu finanzieren, ist nicht in Sicht. Dabei kam gerade eine Studie zu dem Ergebnis, dass Schulsozialarbeit von größtem Nutzen ist und auch dazu beiträgt, öffentliche Haushalte zu entlasten. Mehr dazu weiter unten.

Besonders an Grundschulen besteht weiterhin ein deutlicher Mangel an Schulsozialarbeit.
Laut Landkreis-Vorlage sind „aktuell sind ca. 60 Grundschulen und damit knapp 70 % der Grundschulstandorte mit Schulsozialarbeit über verschiedene Träger abgedeckt. Der Landkreis Osnabrück ist ebenso wie das Land Niedersachsen bei ca. 35 % der versorgten Schulen als Ansprechpartner und Träger involviert. Einzelne Kommunen haben sich auf den Weg gemacht und über weitere Anstellungsträger Schulsozialarbeit in den unversorgten Standorten implementiert. Die Programmziele und Aufgaben sind dynamisch und orientieren sich vornehmlich an den individuellen Bedürfnissen und Bedarfen der beteiligten Schulstandorte“.

Hoher Bedarf an Unterstützung
„Im Vergleich zu den Vorjahren ist eine weiterhin hohe Anzahl an vielfältigen Unterstützungsbedarfen festzustellen“, heißt es in der Landkreis-Vorlage zur Sitzung des Ausschusses. Eine Zunahme sei zudem bei den intensiven und akuten Hilfeleistungen zu beobachten. Inobhutnahmen, Suizidandrohungen, Tod und Trauer, Gewalt im familiären / häuslichen Umfeld und auch in der Androhung gegenüber pädagogischem Personal sind Arbeitsinhalte, die Lehrkräfte und Schulsozialarbeit immer häufiger erleben und die für eine hohe Belastung sorgen.

Schulsozialarbeit „verbessert nachweislich die Zukunftschancen junger Menschen – und entlastet dabei Gesellschaft und öffentliche Haushalte“.
Laut Landkreis hat eine „aktuelle Untersuchung der Universität Passau ausgewertet, wie sich Ausweitung präventiver sozialer Arbeit an Schulen ausgewirkt hat. Anhand einer Beispielschule mit 1.000 Schülerinnen und Schülern wurde berechnet welche Effekte eine zusätzliche Fachkraft hätte:
– Deutliche Reduktion von Jugendkriminalität: Die Jugendkriminalität würde um durchschnittlich 17 Prozent pro Jahr sinken. Dieser Effekt hängt nicht von Geschlecht oder Migrationshintergrund der Jugendlichen ab und ist in sozial benachteiligten Regionen besonders stark.
– Deutliche Senkung von Gewaltdelikten: Eine noch stärkere Wirkung wurde bei schweren Gewaltdelikten festgestellt. Hier würde eine zusätzliche Fachkraft die Fälle um rund 25 Prozent reduzieren, auch innerhalb von Familien.
– Mehr Aufklärung bei sexualisierter Gewalt: Schulsozialarbeit deckt Opfer von sexuellen Übergriffen auf, die Meldequoten steigen um 24 Prozent, weil Betroffene eher Hilfe suchen.
– Bessere Bildungschancen: Eine zusätzliche Kraft reduziert die Wahrscheinlichkeit von Klassenwiederholungen um etwa 10 Prozent.“

In der Studie wurde auch eine Kosten-Nutzen-Analyse vorgenommen.
Nach dieser Analyse der Passau-Studie, „kostet eine zusätzliche Fachkraft pro 1.000 Schüler etwa 50.000 € jährlich“. Doch der Nutzen überwiege: Durch weniger Kriminalität und höhere Bildungserfolge spare diese Fachkraft der Gesellschaft 110 000 € im Jahr. Und diese Zahl sei eher eine untere Grenze der tatsächlichen positiven Effekte: Sie berücksichtige nämlich nicht mögliche langfristige Effekte wie bessere Berufschancen oder weniger Straftaten im Erwachsenenalter. „Schulsozialarbeit ist mehr als nur Krisenintervention“, wird in der Publikation betont. „Sie verbessert nachweislich die Zukunftschancen junger Menschen – und entlastet dabei Gesellschaft und öffentliche Haushalte.“
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